Kö, Kölliker Werner, Biografie

 

Jugend, Lehrzeit und Herkunft

Werner Kölliker wurde am 20. März 1927 in Olten geboren und blieb zeitlebens Bürger dieser Stadt. Er verstarb am 16. Dezember 2013. Obwohl sein Geschäft von Anfang an in Zürich-Seebach angesiedelt war, war er natürlich kein Seebacher, sondern ein Oltner. Anhand seines Dialektes hörte auch jedermann sehr rasch seine «Solothurnität» heraus, auch wenn man nicht wusste, woher Kö genau stammte. Er besuchte in Olten die Primar- und Bezirksschule und absolvierte anschliessend eine 3-jährige Lehre als kaufmännischer Angestellter in einer Oltner Firma.

Nachdem sein Vater ihn nicht zur Pfadi gehen liess, suchte er sich ein anderes Hobby. Schon als 12-Jähriger (!) gründete er 1939 zusammen mit Hermann Rütschi, Emil Schaub und Oskar Ulrich die Modellfluggruppe Olten (MG OL) und schloss diese 1942 dem AeCS an. Kö hatte aber nicht nur ein Faible für die Luftfahrt und die Modellfliegerei, sondern er interessierte sich auch für das Kabarett, die Bühnenschauspielerei und für Literatur. Letzteres dürfte ein Gen vom Vater sein. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Pferd (Zitat von Terence Hill).

Elternhaus von Kö, Werner KöllikerDas Bild zeigt das stattliche EFH von Kö’s Eltern in Olten. Das Jahr ist auf 1945 geschätzt. © Werner Kölliker

Seine Eltern zogen bereits um 1922 nach Olten und erwarben dort 1925 ein schönes Einfamilienhaus. 

Sein Vater führte ein Treuhandbüro und so nebenher auch noch das regionale TCS-Büro. In seiner spärlichen Freizeit widmete er sich ein wenig dem Garten und vertiefte sich noch mehr in die anspruchsvolle Literatur und Dichtkunst. Er verfasste und publizierte eigene Gedichte.

Seine Mutter wuchs in Hofstetten im Leimental auf und besuchte dort die Primarschule sowie die Bezirksschule Mariastein. Sie war sehr gescheit. Sie brachte nur Einser nach Hause. Arnold Wirz hat das Originalzeugnis gesehen! Dann folgte ein Jahr Haushaltschule im Welschland, wo sie ihr Französisch festigte und danach lernte sie kochen, putzen und alles, was man in einem gepflegten Haushalt so können sollte. Ein paar Jahre später entdeckte sie in einer Zeitung ein wunderschönes, faszinierendes Gedicht, das sie nicht vergessen konnte. Über die Redaktion erfuhr sie die Adresse des Verfassers und wurde in der Folge zur Frau Kölliker, denn Vater Kölliker war der Dichter!

Familie von Kö, Werner Kölliker

Das Bild zeigt die Famulie 1947. V.l.n.r.: Mutter, Bruder Heinz, Schwester Dorly, Werner (Kö), Vater. © Werner Kölliker

Die Eltern von Werner Kölliker hatten drei Kinder: 1923 den Heinz, 1925 das Dorly und 1927 den bereits erwähnten Kö.

Er beschreibt seine Mutter als herzensgut, seinen Vater als streng aber gerecht. Seine Schwester war eine fleissige Schülerin mit guten Noten und einer Bilderbuchhandschrift. Sie war über die ganze Schulzeit der Liebling der Lehrer und beendete die Kantonale Handelsschule mit einem guten Diplom-Abschluss. Sein Bruder eiferte dem Vater nach, war eher sachbezogen, wurde Bankdirektor und im Militär Offizier und Kriegskommissär. Nur der Kö, der blieb frei wie ein Fisch im Wasser. Privat schrieb Kö seinen Namen mit einem «oe» und nicht mit einem «ö»,was aber eine reine Schreibangelegenheit war, denn Schwingungszahl und Klang am Ohr waren die gleichen.

Klein Werner Kölliker in Papis AutoDas Bild zeigt Werner Kölliker als kleinen Bub am Steuer von Vaters Cabriolet. Ca. 1930 © Werner Kölliker

 

Wappenscheibe der KöllikersDer Familienname Kölliker stammt ursprünglich, wie man leicht errät, aus Kölliken AG. Kö kennt die Geschichte seiner Ahnen sehr genau und erzählte der Arnold Wirz, dass diese 1360 als «von Köllinchon» und «von Köllichon» erstmals urkundlich genannt werden. Der Familienname hatte ursprünglich zwei Hauptstämme: Einen ersten, dessen Stammvater es nach Thalwil ZH verschlug und der im ZKB-Büchlein "Zürcher Familiennamen" von 1994 für das Jahr 1349 auch erwähnt wird. Und einen zweiten, welcher in Olten SO heimisch wurde. Zu letzterem gehörte Kö.Werner Kölliker (1925)

Die Wappenscheibe von Kös Eltern Kölliker-Kissling aus dem Jahre 1925. © Werner Kölliker

 

 

 

 

 

Ausbildung zum Bühnenschauspieler

Dass Kö auf die Idee kam, Bühnenschauspieler zu werden, hatte seinen tieferen Ursprung wohl beim Vater. Man denke nur an dessen Gedichte und an seine vielen Bücher der klassischen Literatur, in welchen er immer wieder las. Den Fleiss und die Ausdauer sind wohl von beiden Elternteilen.

Heirat AlisliEin frühes Erwachen des Schauspielers Kö gab es bereits im zarten Alter von 9 Jahren, als er eine 'Hochzeit' mit dem noch etwas jüngeren Alisli, seinem Lieblingsmädchen aus der Nachbarschaft inszenierte. Er in Knickerbockern und mit Vaters Goggs, sie im Schulfestkleidchen der Schwester.  Der Vater war so gerührt, dass er die beiden fotografisch festhielt. Die Nachbarbuben waren es weniger und lachten ihn aus, wohl eher aus Neid! Kö schrieb zu dem Foto den folgenden Vers und legte diesen dann den Spöttern in ihre Briefkästen:

Alisli ist mein lieber Schatz,

Es ist doch keinen Fratz!

Es ist ein liebes Kind –

Wie heutzutage nicht alle Kinder sind!

Es gab mir manchen Kuss

Mit Freuden und Genuss!

Ich hab es gern –

Es ist mein liebster Stern.

© Werner Kölliker

Kö, Werner Kölliker mit 19Das Bild zeigt Kö im Alter vom 19 Jahren, ca. 1946, also etwa am Ende seiner kaufmännischen Lehre oder zu Beginn seiner Ausbildung zum Schauspieler. © Werner Kölliker

Nach dem KV besuchte Kö die Schauspielschule und genoss eine Theaterausbildung am Bühnenstudio Zürich und als wäre das nicht schon genug, hängte er auch noch ein einjähriges Literaturstudium an der Universität Zürich an. Nach dem 2. Weltkrieg folgte dann eine 10 Jahre dauernde Tätigkeit als Kabarettist und Bühnenschauspieler. Er spielte zahlreiche Rollen, vor allem auch klassische, deren Texte er noch bis zuletzt zum grossen Teil auswendig konnte! So nebenbei hatte er auch mehrere Engagements als Regieassistent und Regisseur an verschiedenen grossen Bühnen der Schweiz, davon ein 8-monatiges Engagement am «Ateliertheater» in Bern. Er hatte in dieser Zeit viele Kontakte zu bekannten Grössen wie Gustav Knuth, Therese Giehse, Hedda Koppé, Hannes Schmidhauser, Ines Torelli, Leonhard Steckel, Ernst Ginsberg und Kurt Horwitz.

 

Kö, Werner Kölliker ca. 1949Hier sieht man Kö während seiner Theater-Ausbildung in Zürich, ca. 1949. © Werner Kölliker

Die Schauspielerei war ein karges Brot. Zwischendurch versuchte er es immer wieder mit «Tingeln» als Ansager und Possenreisser. Mit kleinen unbedeutenden Filmröllchen bei Belmont, Schnyder, Rasser und Kägi-Film war für Kö ab und zu ein bisschen Geld zu holen, doch reichten die Einkünfte mehr schlecht als recht. Eines Tages sagte er sich: Selbst ist der Mann und gründete zusammen mit Robi Lehmann das «Cabaret Schlüsselloch». Robi Lehmann ist sicher vielen noch bekannt in der Rolle des unvergesslichen Leutnant Rubli aus Alfred Rassers HD Soldat Läppli oder als Zöllner in "Läppli am Zoll" aus dem Jahre 1954. Mit eigenen Ideen und Texten für ein halbstündiges Programm setzte es ab und zu einen Auftritt bei Firmen und Vereinen ab, doch kam das Duo nicht auf Touren und Kö suchte andere Wege mit seinem Kabarett. Mit Hedda Koppé, Marianne Matti sowie mit Werner Bolliger und Peter Haas als Klavierbegleitung und Texten von Charles Ferdinand Vaucher ging es dann richtig los. Die kleine Gruppe bekam immer mehr Engagements bei Vereinen, Gewerkschaften, Clubs, und Firmen und spielte Jahre lang das zeitlose Programm «Helvetisches Allerlei - Humor hat, wer trotzdem lacht».

 

Kö, ein Mensch

Kö, ca. 1950, als Schauspieler in der Rolle des Freiers «Eierkuchen» in der Heiratskomödie von Nikolai Wassiljewitsch Gogol. Dieses Foto ziert seine Autobiografie «Kö» - Ein Mensch.

© Werner Kölliker

 

Werbeplakat Lambretta 1952In dieser Zeit verdiente er einen kleinen Teil seines Geldes auch mit Werbung, unter anderem für den Schweizer Importeur des Lambretta-Rollers. Dieser stand in harter Konkurrenz zur Vespa und unterschied sich von ihr vor allem durch seinen wesentlich strengeren Motorenklang und das sportlichere Aussehen. Wenn man das Gas richtig aufdrehte, erklang ein andante furioso!

1952 machte Kö mit seiner Freundin Marianne Matti auf einer Lambretta eine 5000-Km-Reise durch Europa und brauchte dafür nur Fr. 120.-- für Treibstoffgemisch und Öl. Damit warb dann der Lambretta-Importeur schweizweit. Bild der beiden in einem Inserat. © Werner Kölliker

 

Trotz dem offiziellen Ende seiner Kabarett-Zeit um etwa 1955 trat Kö immer wieder mit Hedda Koppé auf, also mit der «Glunggepüüri» aus den Gotthelf-Filmen oder alleine mit seinem «One-Man»-Programm. Seine Kostüme hängte er erst im Alter von 79 Jahren im Jahre 2006 endgültig an den Haken.

 

 

Erste grosse Liebe

Marianne MattiDie junge Dame, mit welcher er auf der Lambretta 1952 eine Reise durch halb Europa machte, war die Schauspielerin Marianne Matti, die er 1948 beim Schauspielunterricht bei Ernst Ginsberg kennen lernte und 1952 heiratete. Ihr bürgerlicher Name war Gertrud Dietiker. Marianne Matti war eine äusserst sympathische, charmante und auch ausnehmend hübsche Person und ist sicher bei vielen Seebachern noch in bester Erinnerung, denn sie war Bühnen- und Filmschauspielerin und hatte in dieser Funktion einen hervorragenden Ruf.

Das Bild zeigt Marianne Matti um 1952, die noch im selben Jahr Werner Köllikers erste Frau wurde. © Werner Kölliker

 

Marianne Matti

Das Bild zeigt eine weitere Aufnahme von Marianne Matti ca. 1958 © Werner Kölliker

Sie hatte eine herzerfrischende Erscheinungsweise und spielte ihre Rollen auch exakt in dieser Art. In den Gotthelf-Filmen von Regisseur Franz Schnyder spielte sie die Rolle der Elisi, der Tochter Joggelis. Leider bekam sie insgesamt nur 3 Filmrollen und zwar 1954 in «Uli der Knecht», 1955 in «Uli der Pächter», auch unter dem Titel «... und ewig ruft die Heimat» bekannt, sowie 1956 in «Heidemarie - s Waisechind vo Engelberg». Leider verlangte der damalige Geschmack des Publikums oder vielleicht auch eher jener der Regisseure einen frecheren Auftritt und so blieb die äusserst anständige und liebenswerte Schauspielerin viel zu wenig beachtet. So blieb es leider bei diesen 3 Filmen, obwohl Marianne Matti das Talent zu wesentlich mehr in sich gehabt hätte. Leider nur andeutungsweise kann das Gesicht von Marianne Matti in der Lambretta-Werbung erkannt werden. Die Heirat blieb von der Presse nicht unbemerkt und eine Wochenzeitung berichtete denn auch mit dicken Lettern: "Beliebter Bühnenschauspieler heiratet ebenso beliebte Filmschauspielerin - Ein Traumpaar" oder so ähnlich! Marianne Matti wuchs in Aarau auf, stammte aber aus dem Berner Oberland. Leider dauerte diese Ehe nur etwas über 10 Jahre! Kö hat betont, dass es äussere Umstände waren, die zur Trennung führten.

 

 

 

 

Das Hobby wird zum neuen Beruf

Nach der Schauspielerei arbeitete er ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre im Modellbaugeschäft von Christel und Willy Streil und machte damit erstmals sein Hobby zum Beruf. Für die Streils hat er auch den Kö II und den Kö III konstruiert, daher wurden diese Modellbaukästen auch durch dieses Modellbaugeschäft vertrieben. Die Arbeit als Verkäufer von Modellbauartikeln gefiel Kö so gut, dass er daran dachte, eines fernen Tages ein eigenes Modellbaugeschäft zu gründen.

Werner Kölliker war jemand, dem man nicht erklären musste, wie er zu arbeiten hatte und bei seiner Arbeitsweise benötigte er manchmal auch etwas unternehmerische Freiheit. Als Angestellter war das aber nicht immer so einfach zu verwirklichen. Daher geriet er manchmal mit Christel Streil auch in die Haare, wenn die beiden nicht gleicher Meinung waren. Die beiden waren eben zwei starke Persönlichkeiten. Aus diesem Grunde war es nicht verwunderlich, dass Kö immer mehr an ein eigenes Geschäft dachte.

 

Kös 1. Laden 1969Nach rund sieben Jahren bei den Streils war es soweit: Am 1. September 1963 eröffnete er in Seebach sein eigenes Geschäft. Unterstützt haben ihn beim Start Otto Hunziker vom gleichnamigen Modellbaugeschäft in Luzern und vor allem auch Alex Stöckli, Karl Brühwiler, Ruedi Schenker und Erwin Bärtschi. Um sein Geschäft, das von Anfang an «Kö-Modellbau» hiess in Modellbaukreisen bekannt zu machen, publizierte er «die neuesten Nachrichten für Modellbauer» unter dem Titel «Kö Hu», siehe Foto weiter unten! Ab August 1964 hiessen diese Nachrichten dann «Kö-Bulletin» und noch später «Kö-Start».

Ein Bild aus 1969 vom 1. richtigen Verkaufsladen, hier noch an der Schaffhauserstrasse 410, also im uralten, heute bereits abgebrochenen Haus der Drogerie Arnold, neben dem ehemaligen Tea-Room Iris. Im Vergleich zu später herrschte noch drangvolle Enge. © Werner Kölliker

Sein Geschäftslokal befand sich anfänglich an der Friesstrasse 16 in Seebach. Einige Jahre später zog er in ein etwas grösseres Lokal an der Schaffhauserstrasse 410, wo er nicht mehr seine ganze Wohnung mit Modellbaukästen und dem Balsaholzlager verstellen musste. Dennoch war auch dieser Laden für seinen Bedarf klar zu klein. Nicht umsonst nannte er ihn deshalb «Schöpfli».

kös neuer 2. Laden 1974Nochmals einen weiteren Schritt gab es dann im März 1974, als Kö das alte Lokal von Denner an der Schaffhauserstrasse 411 gleich gegenüber übernehmen konnte. Denner zog in den Bauhof Örlikon und Kö hatte nun endlich ein geräumiges Lokal und einen grossen Keller für das Warenlager. Dieses Bild zeigt das eingerichtete Verkaufsgeschäft an der Schaffhauserstrasse 411, dem vormaligen Lokal von Denner. Es war sehr grosszügig gestaltet © Werner Kölliker. Der Umzug erfolgte ohne Zügelwagen in Kisten über die Strasse. Am 22. März 1974 erfolgte die Einweihung des neuen Ladens mit einem Apéro, an welchem viele bekannte Namen aus der Modellflugwelt anzutreffen waren. Danach lud er über 30 ausgewählte Gäste, Freunde und Bekannte zu einem Abendessen im Restaurant Talgarten ein. Den alten Laden behielt Kö unter der neuen Bezeichnung "Kö-Fundgrube" mit einer kurzen Unterbrechung ab 1974 aber bei. Kö hatte auch stets junge Modellflieger in seinem Personalbestand, die etwas von der Materie verstanden.  Ab 1977 verkaufte er dort seine Sonderangebote, Auslaufmodelle und Occasionen. Davon gibt es im Baugeschichtlichen Archiv Zürich noch ein Foto aus dem Jahr 1983. Über die Eröffnung berichtete er in "Kö-Start Nr. 1/1977" ausführlich.

 

Kös Keller 1974Das Lager befindet sich nun im Keller und bietet reichlich Platz. Wer damals sein Balsaholzlager mit eigenen Augen gesehen hat, dem tränen sie heute noch! © Werner Kölliker

 

Kö blieb bis zuletzt am Ball: Während 25 Jahren gab es auch in Bern an der Lorrainestrasse 13 und später im 5. Stock des Warenhauses Loeb eine Filiale von Kö-Modellbau. Diese Filiale wurde geleitet von Hanspeter Schmid, der auch Mitinhaber von Kö-Modellbau wurde. Hanspeter Schmid war vielen Modellbauern bestens bekannt als Schweizermeister im RC-Segelflug 1960.

 

Erfolgreicher Konstrukteur

Kö war nicht nur ein Kaufmann, ein Schauspieler und ein Verkäufer, sondern er war auch ein erfolgreicher Konstrukteur im Bereich Modellflug und zwar schon seit 1939, doch war der Modellflug damals eben 'nur' ein Hobby'. Bekannt geworden sind im Laufe der vielen Jahre seine Modelle Kö-I, Kö-II, Kö III, Kö IV, Kö A, Kö B, Kö C, Kö D und Kö Y, ferner der TV-Kö, der MG-OL, der Emil Schaub usw. Nicht alle Modelle wurde von ihm konstruiert, meist aber als Baukasten aufgelegt. Natürlich hat er noch weitere Modelle konstruiert, von denen sich keine Unterlagen mehr finden liessen. Es waren insgesamt über 30! Seinen Konstruktionen ist hier (Beitrag folgt) ein eigener Beitrag gewidmet.

 

Weitere Konstruktionen

Kö-Super-MufflerAuch einen superleisen Schalldämpfer für Modellmotoren von 1,5 bis 10 cm³ hat er unter dem Namen Kö-Super-Muffler entwickeln lassen und erfolgreich verkauft. Der Kö-Super-Muffler war weltweit einer der ersten Schalldämpfer in verschiedenen Grössen für Modellmotoren. Der Kö-Super-Muffler war sehr wirksam und entsprechend begehrt bei den Anwendern grösserer Motoren. Durch ein Anschluss-Adaptersystem konnten die Kö-Muffler für die gängigsten Motorenmarken wie OS Max, Enya, Webra, HP, McCoy u.a. verwendet und ausgetauscht werden. Im Gesamten wurden viele Hundert verkauft, u. a. nach den USA, Deutschland und natürlich in der Schweiz. Sogar die japanische Konkurrenz rekognoszierte zur Kopierung in Seebach. Der Konstrukteur war Ruedi Schenker.

 

Kö am Fernsehen

Kö wurde aber auch landesweit bekannt durch seine Bastelsendungen, die er am Schweizer Fernsehen ausstrahlen konnte. Sie betrafen vor allem den Flug- und Schiffsmodellbau. Das war 1963 und 1964, wo er 42 Sendungen nicht nur moderierte, sondern auch die Ideen lieferte und das Drehbuch schrieb. Da erwies sich seine Bühnen- und Regie-Erfahrung als sehr nützlich. Dieser Einsatz am Fernsehen kam gerade zur rechten Zeit, denn er fiel exakt in die Gründungszeit von «Kö-Modellbau». Eine noch bessere Werbung für das Markenzeichen «Kö» hätte es kaum geben können. Dank diesen Sendungen wurde er und sein noch kleines Geschäft schweizweit bekannt. Kö war das Kürzel, welches zwischen 1963 und 1998 jeder Modellbauer kannte. Neben Flug- und Schiffsmodellen kamen auch noch motorgetriebene Automodelle dazu.

 

Zweite grosse Liebe

Am 16. Mai 1970 heiratete Kö ein zweites Mal und zwar die Serviertochter vom früheren Tea-Room Iris in Zürich-Seebach, Ursula Disler. Das Paar bekam einen Sohn und legte sich neben einem Hündchen auch ein Büsi zu. Kö meinte später, damit wäre die Familie komplett gewesen. Die Köllikers zogen 1974 von Seebach nach Oberhasli in ein eigenes Heim. Das Büsi wurde danach durch einen ziemlich kräftig gebauten Kater ersetzt, welcher auf den Namen Pascha hört.

Hier sieht man Kö’s 2. Frau Uschi mit Sohn Daniel im Jahre 1981. © Werner Kölliker

 

Pascha und Rani

Pascha und Rani

Hier sieht man im Grössenvergleich mit dem Hund Rani, dass Kater Pascha stattliche Abmessungen hatte. Er starb leider im Jahre 2012, ging aber noch bis zuletzt, wenn es einnachtete, auf die Pirsch und wollte offenbar noch etwas erreichen. © Werner Kölliker

 

Das Bild zeigt Kös Sohn Daniel mit seiner frisch getrauten Gattin Bea anlässlich ihrer Hochzeit am 14. Juni 2003. © Werner Kölliker

 

 

 

 

 

 

Zufriedene Kunden

Auch ich, Arnold Wirz, gehörte zu seinen Anhängern und kaufte 1971 einen Kö III und zwar bei Kö-Modellbau. Auch mein Vater kaufte für seine Schiffe und Flugmodelle sein Zubehör schon sehr früh bei Kö, als ich seinen kleinen Laden an der Schaffhauserstrasse 410 noch nicht kannte. Obwohl das gelbe Flugmodell Kö III schon etwas in die Jahre gekommen war, erwies es sich für einen Anfänger eben doch als fast unzerstörbar. Es hat mehrere Abstürze fast unbeschädigt überstanden. Das lag zum einen an meiner Ungeschicklichkeit als Modellflieger und zum anderen an der genialen und robusten Konstruktion des Modells von Kö, welches zur Hauptsache aus Balsaholz, Kieferleisten, Japanseide und Spannlack bestand. Es ist jene Bauweise, welche ich bis heute beibehalten habe, weil sie wirklich am einfachsten zu verwirklichen ist, vor allem für Eigenbauten von A bis Z. Mein Kö III ging 1978 in die Hände eines Lehrlings über, welcher sich noch keinen neuen Baukasten leisten konnte und wenn er dem Modell Sorge getragen hat, dann müsste es heute noch fliegen!

 Kö hatte ein Herz sowohl für den Fortschritt als auch für die Tradition. Man bekam bei ihm auch nach 1990 immer noch Zubehör für die Fesselfliegerei, obwohl hier der Höhepunkt schon gute 30 Jahre zurück lag. Noch heute sind einige Schubladen meiner Materialschränke mit Zubehör von Kö-Modellbau belegt. Das letzte Erlebnis mit Kö hatte ich, als ich zuschauen durfte, wie er ein französisches Modelldüsentriebwerk JPX P-240 demontierte. Das war um 1995.

Kö machte stets einen zufriedenen Eindruck und das machte das Einkaufen bei ihm so angenehm. Sein Credo als Unternehmer lautete immer gleich: Nur durch harte Arbeit kommt der Erfolg, daher kam es nicht nur einmal vor, dass sein Arbeitstag eben auch mal 15 Stunden dauern konnte. Ausserdem gab es bei ihm keine Fantasiepreise, sondern fair kalkulierte Preise und er bot nur Ware an, die er zuvor auf ihren inneren Wert geprüft hatte, sodass der Kunde für sein Geld einen optimalen Gegenwert bekam. Bei Kö wurde man immer durch fachkundiges Personal bedient. An dieser Stelle ein ganz herzliches, wenn auch spätes Dankeschön für all die Arbeit und die Geduld.

Bezeichnend für Kö ist denn auch, dass er seine Modellbaufirma mit seiner glücklichen Hand und vielleicht noch mehr mit seinem guten kaufmännischem Gespür 35 Jahre lang ohne Verluste über die Runden brachte.

Kös Geschäft 2003Das Modellbaugeschäft im Jahre 2003. Ein Plus war, dass es stets ein paar freie Parkplätze gab vor seinem Laden. Fast unvorstellbar in dieser Gegend. © Arnold Wirz

 

Kös Geschäft 2006Das Modellbaugeschäft im Jahre 2006. © Arnold Wirz

 

 

 

 

 

Geschäftsübergabe

Per 14.8.1998 übergab Kö im Alter von 71 Jahren sein Geschäft in jüngere Hände und zwar in diejenigen von Jürg Furegati aus Rümlang. Auch das hat er offenbar sorgfältig geplant. Leider war es dann dem Nachfolger nicht vergönnt, das Geschäft ebenso lange zu führen wie Kö, denn im Jahre 2008 ereilte ihn völlig unerwartet ein Hirnschlag, den er zwar überlebte, doch war es ihm nicht mehr möglich, das Geschäft weiter zu führen. So endete die Geschichte von Kö Modellbau im April 2008, als das Lokal in neuer Aufmachung unter dem Namen «Tactica» neu eröffnet wurde und nunmehr Computerspiele vertreibt und auch ganz andere Besitzer hat.

 

Der etwas andere Kö

Im Laufe seines Lebens hatte Kö speziell von der Luftfahrtseite her zahlreiche Kontakte zu vielen berühmten und bekannten Persönlichkeiten. Er kam weit in der Welt herum und 'erntete' zahlreiche hohe Auszeichnungen für seine aviatischen Leistungen, auch wenn er nie selber geflogen ist. Verdient hat er sie allemal, denn er gehörte zu jenen Menschen, welche für die Interessen der Luftfahrt recht selbstlos agierten.Kö und Piccard

Das Bild zeigt Kö im Gespräch mit Bertrand Piccard, 2002,  anlässlich einer Veranstaltung der FAI. © Werner Kölliker

 

So ganz nebenbei war er auch noch über 20 Jahre lang Obmann der MG Olten, Fachredaktor bei der Aero Revue, Mitarbeiter von Fachzeitschriften wie «Modell» und «FMT», Funktionär an vielen internationalen Wettbewerben, Mitglied der Schweizer Delegation bei den Generalkonferenzen der FAI, 1. Vizepräsident des AeCS und Präsident der Modellflug-Kommission, Mitbegründer der AeCS-Gruppe Modellflug-Veteranen, Mitinitiant des MFK-Jugendlagers, um nur ein paar zu nennen. Von ihm stammte auch die Idee für ein Modellflug-Museum, welches er dann 1990 zielstrebig im Verkehrshaus Luzern verwirklichen konnte.

 

 

Epilog

Werner Kölliker wohnte bis zuletzt in Oberhasli ZH an der Birchstrasse 31 und genoss von seinem Heim aus eine wunderbare Aussicht. Weil er seit 2005 nicht mehr Auto fahren konnte und mit den Beinen etwas Probleme bekam, war er ziemlich stark ans Haus gebunden. Umso mehr freute es ihn, wenn alte Modellbauer, die ihn noch von früher her kannten, besuchen kamen. Er war geistig voll aktiv und wenn man mit ihm sprach, dann glaubte man, es wäre wieder 1970, als die Modellflieger ihre Flugzeuge noch aus Balsaholz bauten! Und dennoch war er nicht verlegen, wenn man das Gespräch dem Jahr 2011 annäherte und von Lithium-Polymer-Akkus und E-Impellern sprach. Kö war einfach überall im Modellbau zu Hause, bis zuletzt.

Im Jahre 2005 publizierte Kö auf vielfach geäusserten Wunsch hin seine Memoiren unter dem Titel «Kö» - Ein Mensch. Die Publikation hatte die Form eines Taschenbuches und umfasste 246 Seiten. Das Buch hatte eine Auflage von 700 Exemplaren und war vor allem gedacht für seine langjährigen Kunden und Freunde. Das Buch ist leider vergriffen. Alle für Modellbauer wichtigen Infos aus diesem Buch sind im hier vorliegenden Artikel verarbeitet. Eine Neuauflage durch Sponsoring wäre möglich gewesen, da das komplette Druckmaterial noch vorhanden war. Leider kam es bis zu seinem Hinschied am 16. Dezember 2013 nicht mehr dazu.

 

Kö 1992Werner Kölliker (1992)

Hier sieht man Kö, wie ihn alle in seinen letzten Jahren als Geschäftsinhaber kannten.

© Werner Kölliker

 

 

Kö 1997Werner Kölliker (1997)

Kö an seinem 70. Geburtstag im Jahre 1997.

© Werner Kölliker

 

 

 

 

Kös BildDer bekannte Zeichner Turi Schellenberg fertigte diese Zeichnung von Kö an. Sie hing lange in seinem Büro neben dem bekannten Plakat von Albert Einstein. Schellenberg ist auch Musiker und Ehemann einer der singenden Geschwister Biberstein.

© Werner Kölliker

 

 

 

Quellen:

- OGS-eigene, Arnold Wirz

- Seebacher Nachrichten 26.1.1981, Nr. 18

- Werner Kölliker

- Taschenbuch «Kö» - Ein Mensch

- Rolf Jäger (Hinweis auf das Ableben von Kö)

- SRF / YouTube

- Hermann Mettler (etliche kleine Korrekturen + Ergänzungen)

 

 

Letztmals redigiert: 23.05.2024, Robert Berg

 

Weiterführende Links:

 

Kö Katalog 1963Den ersten richtigen Katalog publizierte Kö im September 1963. Er hatte 16 Seiten und bot im Vergleich zu den Kö-Bulletins viel mehr Infos. Der Name des Grafikers, welcher Kö’s Publikationen gestaltete, war Jean-Pierre Zaugg von Neuenburg. © Werner Kölliker

 

Kö Bulletin 1964Die Frontseite eines Kö-Bulletins aus dem Jahr 1964. Im Innern fanden sich seine Angebote mit Preisangabe. So kostete zum Beispiel ein Kreisflug-Standard-Tank Fr. 3.50. Das Kö-Bulletin wurde später durch Kö-Start abgelöst. © Werner Kölliker

 

Neckar-Verlag Flyer

Ein Prospekt des Neckar-Verlags in Villingen (D) mit der damaligen Adresse von Kö, als er sein Lokal noch gegenüber an der Schaffhauserstrasse 410 hatte. Ca. 1970. © Reproduktion Arnold Wirz

 

 

Quittung von Kö

Eine Rechnung von Kö, wie er sie beim Bareinkauf im Laden ausstellte. Ca. 1993.  © Reproduktion Arnold Wirz

 

Kö Start 1976

Das Mitteilungsblatt 2/76 mit der Bezeichnung Kö-Start vom Dezember 1976. Es hat bis heute überlebt dank Daniel Heid, der es vor der Entsorgung rettete, nachdem es sein Arbeitgeber so lange aufbewahrte. Kö-Start löste seinerzeit das Kö-Bulletin ab. © Werner Kölliker

 

 

Kö Start 1977Ein besonderes Heft war Kö-Start Nr 1/1977. Es verkündete die Eröffnung der Kö-Modellbau-Fundgrube gleich gegenüber dem Hauptgeschäft in Zürich-Seebach. Auch dieses Heft wurde durch Daniel Heid gerettet. © Werner Kölliker

 

Kö VisitenkarteDie Visitenkarte von Kö. Oben jene von 2011, unten jene von 2013, inzwischen ergänzt mit dem Hinweis: Info über Kö. © Arnold Wirz

 

PinguinDer Pinguin war das erste selbstgebaute Segelflugmodell von Kö, aber keine Eigenkonstruktion, sondern ein Nachbau mithilfe eines Bauplans. Der Konstrukteur hiess Hans Marti. © Werner Kölliker