Stups Freiflug-A1-Segler, Werner Thies von Arnold Wirz
Vorgeschichte
Der Konstrukteur des Stups' war Werner Thies, der sich bald danach mit der Konstruktion der ersten beiden Varianten des kleinen Uhus einen Namen machte. Die Modelle von Werner Thies zeichneten sich aus durch Einfachheit beim Bauen, stabile Konstruktion, gute Aerodynamik, stabiler Kurvenflug und hervorragende Gleit- und Segeleigenschaften. Wie viele andere Konstrukteure jener Zeit, liess er die Baupläne und die Baubeschreibungen der Modelle, die er nicht im Auftrag konstruierte, beim Verlag Otto Maier in Ravensburg drucken, sodass sie für jedermann, der selber bauen wollte, käuflich waren. Die ersten Baupläne wurde gegen Ende 1955 gedruckt. Hier ein Bild vom Bauplan des Stups, wie er um 1955/56 herum vom Verlag Otto Maier, Ravensburg, publiziert wurde. © Otto Maier Verlag, Ravensburg
Es gab keinen Baukasten. Die ersten Modelle erschienen ab 1956 auf den Fluggeländen. Das Modell wurde speziell konstruiert für den Bau in Schülerkursen.
Werner Thies wurde am 15.9.1923 in Kaltenkirchen bei Hamburg geboren und verstarb Anfang 1984. Er übernahm 1965 den Modellflugverein FAG Kaltenkirchen und blieb dessen Vorsitzender bis zu seinem Ableben. 1955 entwickelte er für Hans Graupner den 'kleinen Uhu', wohl eines der berühmtesten europäischen Modellflugzeuge, welches 1956 in den Verkauf kam. Auch die Weiterentwicklung von 1964 stammte von ihm. Mit diesen beiden ziemlich ähnlichen Modellen dürfte er vermutlich für sich die grösste Produktionszahl eines einzelnen Modellbaukastens in Anspruch nehmen. Gerade diesen Erfolg kann man nicht genug hervorheben, denn in den meisten Publikationen zum 'kleinen Uhu' bleibt Werner Thies' Name meist ungenannt. Ausser dem Stups und den beiden ersten kleinen Uhus konstruierte er bereits 1950 seinen ersten Nurflügler und später noch ein Segelflugmodell namens V-X, dessen Pläne man noch lange Zeit beim Verlag vht bestellen konnte.
Eine noch grössere Bekanntheit erlangte er als Verfasser eines Modellflug-Lexikons, publiziert ab 1977 sowie zahlreicher weiterer Bücher zum Modellflug, häufig mit dem Hinweis 'Bauen und Einfliegen', eine seiner Kernkompetenzen. Er befasste sich aber auch mit dem ferngesteuerten Flug für Verbrenner- + Elektromodelle, mit den Eppler- und NACA-Profilen usw. und schrieb Beiträge im FMT. Seine letzten Bücher wurden etwa gegen Ende der 1980er Jahre letztmals aufgelegt.
Aufbau des Stups
Der Stups war ein A1-Klasse-Modell für den Leistungssport. Er ist ein sehr adrettes Balsaholzmodell in der typischen Bauweise der 1950er Jahre, als es noch üblich war, den Flugmodellen eine Art Guppybauch zu verpassen.
Das hatte allerdings keine modischen Gründe, sondern es war damals üblich, die Modelle vorne so zu bauen, dass sie mit der Schnauze beim Landen auch hart aufsetzen konnten, um so die auftretenden Kräfte abzufangen und damit das übrige Modell vor Schaden zu bewahren. Das war besonders wichtig für Freiflugmodelle, die man nicht direkt steuern konnte und die nach dem Auslösen der Thermikbremse oft im Sackflug landeten und dann mit der Schnauze hart aufschlugen.
Hier sieht man den Stups noch unbespannt. Es wurde alles nach Plan ausgeschnitten und verschliffen. © Peter Schafer Das Modell war für die Benützung einer Thermikbremse der einfachsten Bauart mit Glimmschnur vorgesehen, um es so vor dem Entfliegen zu bewahren. Damit die Montage des Höhenleitwerks so einfach wie möglich ausgeführt werden konnte, befand sich das Seitenleitwerk nicht wie üblich über, sondern unter dem Rumpf, eine Bauweise, die man auch vom Streil/Sidler Piccolo, der Anker Mechanik/Löffler Freundschaft und der Streil/Klauser Moeve her kannte, doch der Stups war wohl der erste mit dieser Bauart.
Flugeigenschaften
Hier sieht man den Stups von Peter Schafer frisch bespannt mit Bespannpapier im Jahre 1985. Der Bauplan stammte aber aus der Zeit von etwa 1956. © Peter Schafer. Er war für den Hochstart eingerichtet und hatte ein voreingestelltes Seitenruder für den Kurvenflug, welches nach dem abgeschlossenen Hochstart automatisch in die voreingestellte Position ging. Er war übrigens auch noch bei leichtem Wind für den Hochstart geeignet, nur musste man dann die Flugzeit durch Kürzen der Glimmschnur etwas reduzieren, damit das Modell nicht zu weit entfernt landete. Der Stups hatte einen guten Gleitwinkel und sehr gutmütige Flugeigenschaften. Mit dem Stups erlangte Peter Schafer im Jahre 1985 den 2. Platz an der Freiflug-Clubmeisterschaft der MFG Schmitten (Kanton Freiburg).
Übriges
Unter dem Namen Firma Stups Modelle, Hans Weyer & Co., Leipzig W35, Bienitzstrasse 8 firmierte in den 1940 und 1950er Jahren ein bekannter Hersteller von Modelleisenbahnen (Loks und Wagen) in Karton-Bauweise (!) sowie Bauanleitungen für Gleise. Verkauft wurden aufgedruckte Kartons zum Selberbauen der Modelle, ganz ähnlich wie die bekannten Schweizer Burgen ab den 1950er Jahren. Diese Firma hatte natürlich mit dem Thies-Flugmodell Stups nichts zu tun.
Technische Daten
Bauart: A1-Leistungssegler
Spannweite: 114.4 cm
Länge: 83.5 cm
Höhe: 8 cm
Flügeltiefe: 9.5 cm
Gewicht: ca. 170 g
Flügelfläche: 16.9 dm²
Flügelstreckung: 1:12
Flächenbelastung: 10.06 g/dm²
Flügelprofil: MVA 123 (?)
Entwurfsjahr: 1955
Plan- und Baubeschrieb: Verlag Otto Maier, Ravensburg
Quellen:
- Homepage der FAG Kaltenkirchen zu Werner Thies
- Internet-Börsen/Antiquariate zu seinen zahlreichen Büchern
- Peter Schafer zu den technischen Daten, Flugeigenschaften
- Bauplan des Verlags Otto Maier
Letzmals redigiert: 28.6.2024


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