Ist das der Prototyp vom Sniff?
Ein IGA-Mitglied liess uns einen Artikel von Dani Bucher zukommen. Dieser Artikel erschien im ~Modell 9/1980~. Darin beschreibt er sein Segelflugmodell.
Im Bericht gibt er dem Modell keinen Namen, doch sieht es dem späteren Sniff sehr ähnlich. Speziell die Tragflächen mit ihrer leichten Pfeilung und den vielen Holmen ist charakteristisch. Auch die Abmessungen entsprechen denen in unserem Plan. Der grosse Unterschied ist der Rumpf und das Leitwerk. Das Modell im Bericht verfügt über einen Rumpf aus Balsaholz und ein Kreuzleitwerk. Beim Leitwerk sind sowohl Seiten-, wie auch Höhenruder als Pendelleitwerk ausgebildet. Die mir bekannten Sniff’s aus Baukästen haben einen GFK-Rumpf und ein V-Leitwerk, das als Klappenleitwerk gebaut ist. Leider ist weder auf dem Plan des Sniff, noch in der Bauanleitung ein Datum vermerkt. Es liegt nahe, dass der Sniff als Baukasten später erschienen ist.
Dani Bucher erwähnt im Artikel nirgends, dass das Model über seine Firma zu beziehen wäre. Auch gibt er als Adresse noch St. Gallen und nicht Grub/AR an. Laut den Recherchen von Arnold Wirz gründete Dani Bucher seine Firma wohl im Jahr 1981, noch in St. Gallen.
Aus Darstellungs- und Platzgründen musste ich den Bericht für unsere Website hier optisch etwas anpassen. Inhaltlich habe ich keine Änderungen angebracht.
Doch lest selbst:
D. Bucher
Mein Segelflugmodell,
eine Eigenkonstruktion
Gedanken, die zum Bau des Modells geführt haben
· Klimatische und topografische Verhältnisse: Mittelland bis Voralpenland, keine ausgesprochen konstanten, eher mäßig bis schwache Winde, Flachlandthermik.
Klein und handlich, zum Transportieren im Auto oder Rucksack gut geeignet. Robust. Gute Manövrierbarkeit auf kleinem Fluggelände. Preisgünstig.
· Ein Modell mit gutem Gleitverhalten, so dass Strecken zurückgelegt werden können ohne viel Höhenverlust. Möglichkeit, bei verschiedenen Wetterlagen fliegen zu können.
Ein ausgesprochenes Thermikmodell weist, meinen Erfahrungen nach, kein gutes Gleitverhalten auf (z. B. mit Profil E 385).
Ein für schnellen Hangsegelflug geeignetes Profil (E 178) eignet sich aber auch nur zum Teil für die oben erwähnten topografischen und klimatischen Verhältnisse. Somit habe ich versucht, ein Modell nach unkonventionellen Aspekten zu fertigen:
- geringe Flächenbelastung: 12-14 g/qdm, Gesamtfläche: 55 qdm
- Profil: Eppler 207 mit einer Dicke von 12 % (leichter, stabiler Flügelbau) und einer Re-Zahl über 100 000, das bedeutet Flügeltiefen um 240 mm. Mit diesem für ferngesteuerte Segelflugmodelle berechneten Profil, welches sowohl langsam in der Thermik kreisen soll, wie auch schnell fliegen muss, ohne dass die Sinkgeschwindigkeit zu groß wird. (Eigentlich ein F3B-Profil).
- Flügelform ist rechteckig.
- Seitenruder und Höhenruder sind als Pendelruder ausgelegt. Höhenruder mit tragendem Profil.
- geringer Widerstand durch kleinste Rumpfabmessung
Bau
- Flügel: Rippenkonstruktion in herkömmlicher Bauweise, mit Folie bespannt. Keine Kiefernholme, dafür vier Balsaholme, verteilt über die Flügeltiefe. Rippenabstand beträgt 30 mm. Durch die große Anzahl von Rippen und die vier Holme ist die Steifigkeit gut.
- Höhen- und Seitenleitwerk: Rippenbauweise, stabil und leicht.
- Rumpf: Besteht aus Balsaholz und Glasgewebe. Drei Balsaleisten mit kleinem, mittlerem und großem Quer schnitt bilden den Grundbau (siehe Skizze).
Die drei Teile habe ich stumpf zusammengeleimt, anschließend durch Hobeln und Schleifen die Endform bestimmt. Mit etwas Vorsicht geht das Formen des Rumpfes ganz gut und schnell. Die endgültige Form habe ich nun mit Glasgewebe (25 g/qdm) zweimal eingewickelt, getränkt mit Harz und auf zwei größeren Nadeln, an Rumpfspitze und -ende drehbar, über einem mit Zeitungen belegten Brett angebracht. Die durchtränkte Glasseide gibt das überschüssige Harz ab, welches von Zeit zu Zeit sorgfältig mit dem Pinsel abgezogen oder verstrichen wird. Ist das Ganze einmal trocken, so ist die Oberflächengüte natürlich nicht wie eine aus negativer Form gezogene. Durch Schleifen lässt sich die Oberflächengüte wesentlich verbessern.
Die Rumpfoberfläche ist klein, und so sollten die Anstrengungen im Rahmen bleiben. Zum Schluss habe ich den Rumpf mit Zwei-Komponenten-Lack überzogen (Schleifspuren verschwinden).
Nachdem mit einem Messer der Kabinendeckel ausgeschnitten wurde, konnte die Fernlenkanlage, Höhen- und Seitenruder angepasst werden. Allgemein kann gesagt werden, dass ein in dieser Weise gefertigter Rumpf in kurzer Zeit hergestellt werden kann und sich ebenso individuelle Formen einfach fertigen lassen.
Einfliegen
Dem Einfliegen habe ich grösste Aufmerksamkeit gewidmet. Der Einstellwinkel wird zusammen mit der Schwerpunktlage nach Gleitversuchen endgültig fixiert. Dadurch wird ein gutes, gleichmäßiges Gleiten möglich. Flüge am Hang und im Flachland haben gezeigt, dass das Segelflugmodell meine Erwartungen ganz erfüllt.
Weitere Auskünfte erteilt gern:
D. Bucher, Hardungstraße 4,
CH 9011 St. Gallen
Daten des fertigen Modells:
Fernlenkanlage:
Simprop Modulempfänger
2 Kraft-Servos, ein 250-mAh-Akku, kein Schalterkabel
Abmessungen:
Spannweite: 2000 mm
Flügeltiefe: 240 mm
Gesamtfläche inkl. Höhenleitwerk: 54,4 qdm
Gewicht:
Flügel: 330 Gramm
Rumpf mit Anlage, Seiten- und Höhenruder: 370 Gramm
Gesamt: 700 Gramm
Flächenbelastung: 12,4 g/qdm
Modell 9/80
Soweit der Artikel von Dani Bucher. Dieser Link hier führt zum originalen Artikel.
Quellen: Zeitschrift Modell 9/1980
Letztmals redigiert: 1.10.26 RB



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